When you're screaming at the top of your lungs and no one hears you, what are you supposed to do? // If a tree Falls Filmpremiere

Gestern war ich auf der New Yorker Dokumentarfilmpremiere von Marshall Currys neuem Film "If a tree falls a story of the earth liberation front". Bis jetzt einer der  besten Abende, die ich hier in New York hatte. Nach dem Film hat mich Marshall noch eingeladen, mit seinen Freunden was trinken zu gehen und ich habe Matt Berninger von The National (die ja eine meiner allerliebsten Lieblingsbands sind), kennen gelernt. Wie auch schon bei Racing Dreams hat die Band  Songs zum  unglaublich gut passenden Filmsoundtrack (schönster Song, Cherry Tree) beigesteuert

In "If aTree Falls" geht es um die Earth Liberation Front, eine ökologisch militante Organisation, die zwischen 1998 und 2003 Brandanschläge auf, die Umwelt schädigende Firmen ausgeübt hat (bei denen allerdings nie Jemand zu Schaden kam) Marshall Curry hat sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt, nachdem  Daniel McGowan, einer der Mitarbeiter seiner Frau, 2007 im Büro verhaftet wurde. McGowan war einer der führende Persönlichkeiten der E.L.F. Seine Radikalisierung und den Grund, warum er der E.LF.beitrat erklärt er im Film so "When you're screaming at the top of your lungs and no one hears you, what are you supposed to do?" Im Kontext des Filmes ist das durchaus nachvollziehbar, wenn man sieht, wie riesige 500 Jahr alte Bäume, ja sogar ganze Wälder gefällt werden und kilometerlange Züge, mit abgeholzten Baumstämmen durch eine Kleinstadt fahren, oder wenn man sieht wie friedliche Demonstranten in Schildkrötenkostümen von der Polizei angegriffen werden. Auch wenn die Bilder, die Curry wählt durchaus sehr drastisch sind, bleibt der Film immer im Gleichgewicht. Curry berücksichtig Beide Seiten, die McGowans und der E.L.F, aber auch die des FBI, der involvierten Polizisten und  der Firmen, die von der E.L.F geschädigt wurden.

McGowan wurde schließlich zu 7 Jahren Haft für "terroristische Handlungen" verurteilt. Diese Strafe sitzt er, in einem noch von der Bush Regierung nach 9/11 installierten speziellen Gefängnis in Indiana für Terroristen ab. Den Inhaftierten wird dort kein physischer Kontakt zu ihren Verwandten gestattet, sie dürfen in der Woche nur 15 Minuten (normal sind 300 Minuten)  telefonieren und haben nicht den selben Zugang zu Bildungsmöglichkeite, wie andere Gefangene. Der Fall Daniel McGowan hat hier in Amerika eine Debatte um die sensible Bezeichnung "Terrorist" angest0ßen,  die in diesem Land eigentlich immer hoch emotional (im Hinblick auf 9/11) und mit Null-Tolleranz diskutiert wird.

Vielleicht hat mich der Film auch besonders zum Nachdenken gebracht, weil ich gerade in Amerika wohne und die "Wegwerfgesellschaft" hier noch ganz andere Ausmaße hat als ich es aus Deutschland kenne. Hier wird wirklich alles in Plastiktüten verpackt.  Es wird nicht oder kaum recycelt und es existiert ein sehr geringes Bewusstsein, für die Folgen, die ein solcher Konsum hat. Vielleicht (was natürlich trotzdem keine Entschuldigung ist) liegt das auch an der Tatsache, das der "typische New Yorker" (wenn es ihn denn gibt, was zumindest die New Yorker, die ich bis jetzt kennen gelernt habe bestätigen) eher eine "konzeptuelle Vorstellung" von "Natur" hat, die selten über Centralpark Eindrücke oder kurze Urlaubskonfrontationen hinausreicht. So ging es sogar auch Marshall Curry als er sich zum ersten Mal mit dieser Thematik auseinander gesetzt hat, wie er in diesem Tribeca Interview erklärt "I thought the Forest Service was there to protect the forest. And friends who are involved with the environmental movement, or who live out west, would laugh at me… only a New Yorker could think the Forest Service was there to protect the forest."Wenn ihr irgendwie könnt solltet ihr euch den Film wirklich anschauen, was "Supersize- Me" für die Fast Food Kultur ist, ist "If A Tree Falls", für die Umweltdiskussion. Mehr Informationen zum Film findet ihr hier.

 

 

 

 

 

 

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