No Matter What // Ein Film von Cherie Saulter über eine bedingungslose Freundschaft im amerikanischen Nirgendwo

Gestern war der zweite SXSW West Rooftop Film Abend in der Lower East Side. Ich habe, nach dem ich bei "The Dish and the Spoon" auf dem Dach fast zum Eiszapfen erstarrt bin, alle meine warmen Sachen angezogen und bin, eingepackt wie ein Inuit, 6 Stockwerke aufs Dach gestiegen. Oben angekommen wurde ich erst einmal von den Rooftop Volunteers bejubelt (das machen sie bei jedem Wahnsinigen der es bis aufs Dach schafft) und gehighfived.Cherie Saulter // director No Matter What Regisseurin Cherie Saulter bei der New York Premiere von NO MATTER WHAT

Gestern wurde  "NO MATTER WHAT"  von Cherie Saulter gezeigt. Im Film geht es um die bedingungslose Freundschaft zwischen den Teenagern Joey und Nick, die in schwierigen Verhältnissen,  in einer winzigen Stadt in Florida leben. Die Beiden skaten lieber oder suchen nach abgefallenen Radkappen, von Autos die vorbeifahren,  anstatt zur Schule, oder nach Hause zu gehen. Das ist auch ziemlich verständlich, denn das einzige was Zuhause auf sie wartet ist bei Joey seine drogenabhängige Mutter Laura, die sich nicht um ihn kümmert und bei Nick, ein agressiver Vater, den er mit "Sir" ansprechen muss. Eines Morgens merkt Joey, dass seine Mutter, ohne ihm etwas zu sagen verschwunden ist. Mit einem geklauten Auto begeben sich Die Beiden auf einen Roadtrip, (auf dem sie Drogendealern und Ex-Freunde von Laura besuchen)  um sie schließlich weit weg, in einem anderen genauso tristen neuen Leben zu finden.

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Im Film hat mich besonders die Leere der Landschaft und Personen, deren einziges Gegengewicht diese wahre Freundschaft zwischen Nick und Joey (Beide sind im wahren Leben wirklich befreundet) ist, beeindruckt. Cheri Saulter lässt den Charakteren den Raum den sie brauchen, um sich zu entfalten, sodass man  am Ende das Gefühl hat den Beiden wirklich nahe gekommen zu sein und ihre Handlungen verstehen zu können. Cherie beschreibt das ganze so: "No Matter What will endear characters to an audience that would generally not relate to them. As much as I love these characters, they are not exactly lovable. Not at first. They are rambunctious, defensive and anti-social. They steal things and they have an underdeveloped sense of remorse. But we’ll show how they arrived at that point. How it is the sum of things out of their control that made them who they are and how, in the end, they would like to overcome."

Mich hat der Film zwischendurch, (vielleicht auch wegen der Skateboardthematik) an Gus van Sants Paranoid Park (auch ein großartiger Film) erinnert. Vielleicht ist der Film auch so gelungen, weil Cherie Saulter selbst in einer dieser Kleinstädte großgeworden ist und Jungs wie Nick und Joey  kennen gelernt hat. Der Film hat also durchaus, wie sie selbst sagt, einen sehr persönlichen Bezug. "Nick and Joey are none of those boys that I knew at sixteen, but they are also all of them. They are the products of absentee parents, substance abuse and small towns. They are wounded, but far more resilient than children should have to be."In einer der schönsten Szenen, die gleichzeitig einer der tiefsten Punkte auf der Suche nach der Mutter ist, treffen die Beiden eine Gruppe von Hobos mit denen sie sich am Lagerfeuer betrinken und eine Nacht im Nirgendwo verbringen. Cherie hat für dieses Szene als Soundtrack einen Song von The Mountain Goats ausgewählt, der so unglaublich gut gepasst hat, dass ich Gänsehaut bekommen habe. Cherie hat den Film auch in Deutschland auf einem Festival eingereicht, es besteht also durchaus Hoffnung, dass man ihn auch irgendwann wird bei uns sehen können.