Lotus Eaters // Ein Film so schön wie ein Sommergewitter

Lotus Eaters von Alexandra McGuinness hat mich berührt. In schwarz-weiß gedreht zeigt die Regisseurin das Leben einer Gruppe reicher Kinder in London, die von Party zu Party leben, ohne große Ziele zu haben, das nächste Glas Wein immer im Blick. Eine priviligierte Gruppe, die allerdings im Laufe des Films nicht von den Dramen des Lebens verschont bleibt.

Unweigerlich muss man deshalb sofort an Blow up! oder auch an Factory Girl denken, Filme in denen die Verlorenheit zum essentiellen Stilmittel wird, um ein Leben zu erklären, in das man nur reingeboren werden kann. Man mag Lotus Eaters vorwerfen, oberflächlich zu sein, allerdings übersieht man dabei dann wohl den Schmerz, der in diesem Film gut hinter den schönen Kleidern, schnellen Autos und durchkoksten Nächten versteckt ist. Wenn Connor Oberst in einer Szene "My love is selfish / And I bet that yours is too / What is this peculiar word called truth / My love is selfish / And it cares not who it hurts / It will cut you out to satisfy its thirst / For the meaning of a ritual so habitual and cursed"  (The Meaning of The Ritual) singt hat man für einen kurzen Moment das Gefühl die Lebens-Dramatik reich und dennoch an allem desinterressiert zu sein, zu verstehen.

Alexandra McGuinness verschafft Lotus Eaters außerdem durch den sorgsam ausgewählten Indie-Soundtrack (O. Children, Villagers, Magnetic Fields)  eine solche Tiefe, dass man am Ende froh ist nicht zu dieser Gruppe zu gehören, die durch ihre Schönheit und Leere besticht. Lotus Eaters ist ein Film, so unheilvoll, wie ein Sommerabend mit leichtem Wetterleuchten, das sich im nächsten Moment in ein Gewitter verwandeln kann.