What did you expect from the vaccines // The Vaccines // „Watch out, man, that door’s a closing, this is what you get when you turn back, a clear blue sky turning dirty black.“

“What Did You Expect From The Vaccines?" heißt das Debütalbum der gehypten britischen Jungs, die im Moment überall rauf und runter gespielt werden. Also, was haben wir erwartet von diesem Album? Viel! Schließlich wurde die Band bei derKritikerumfrage der BBC für die Erfolg versprechendsten Newcomer 2011 auf Platz 3 gewählt. Diesen Platz teilen sie sich mit Bands wie den Yeah Yeah Yeahs,Klaxons oder Florence + The Machine, die es schon lange auf die großen Bühnen dieser Welt geschafft haben. Natürlich wird diese Liste jedes Jahr erstellt und nicht alle Bands sind die nächsten Strokes,  Beatles oder Rolling Stones von morgen. Trotzdem sind wir immer, wenn die BBC-Liste veröffentlicht wird, ein bisschen hibbelig, schließlich halten wir unsere Augen und Ohren auch immer offen und sind überall auf der Suche nach dem „next big thing“. Bei den Vaccines waren wir uns jedenfalls sofort einig, eine echte High Potential Band! Im Interview mit The Edge haben sie verraten, dass sie selbst nicht mit diesem plötzlichen Erfolg gerechnet haben: „No way! We are all way too stupid and lazy to have had a plan … None of us can believe it, we never expected it to happen! But we appreciate that this is the best job in the whole world!“  

„Watch out, man, that door’s a closing / this is what you get when you turn back / a clear blue sky turning dirty black!“ singen die Jungs im Album Opener „Wreckin Bar (Ra Ra Ra)” und es scheint als hätten sie diese Songzeile auch im wahren Leben beherzigt, so wie sie, als wäre es die einfachste Sache der Welt, ein bisschen unverschämt und mit Charme durch die sonst ziemlich verschlossene Tür der Musikindustrie marschieren. Der jugendliche Übermut und ein bisschen Naivität grenzt die Vaccines auch deutlich ab von vielen Bands, die es mit aller Macht zum Erfolg schaffen wollen und dabei die eigene Seele aufs Spiel setzen und meistens schon längst ausgebrannt sind, bevor sie es in die Top-Liga schaffen, wie man es hier zu Lande gut am Beispiel der Kilians beobachten konnte. So wird es wohl mit den Vaccines nicht enden. Schließlich haben sie schon jetzt mit „Post Break-Up Sex“ den Song, ja fast schon eine Hymne für eine ganze Generation geschrieben. „Post break-up sex / that helps you forget your ex“ ist wohl eine der praktischsten Binsenweisheiten, die eine Band jemals an alle gebrochenen Hipsterherzen weitergegeben hat.

Joey Ramone hat einmal behauptet „The Ramones own the fountain of youth. Experiencing us is like having the fountain of youth.“ The Vaccines scheinen aktuell eine echte Konkurrenz für die Besitzer dieses Jungbrunnen dar zu stellen. Natürlich gab es immer wieder Bands wie die Strokes, die dieses Erbe der „fountain of youth“ erfolgreich angetreten haben. Es ist allerdings in letzter Zeit keiner der altbekannten Bands auf gleiche Weise wie den Vaccines gelungen, die Euphorie wieder zum Sprudeln zu bringen. Sehr rock’n’rollig und im Sound an die amerikanischen 50er-Jahre erinnernd ist das Album geworden. Man kann sich gut vorstellen zu Songs wie „Blow It Up“ oder „Wetsuit“, die neben „Post Break-Up sex“ und „Wreckin’ Bar (Ra Ra Ra)“ zu den stärksten Tracks des Albums gehören, in einer Kneipe in der Jukebox zum Abspielen bereit stehen, um eines der Lieder zum Soundtrack einer Nacht zu machen. Das ist deshalb auch das schöne an dem Album der Vaccines, dass es obwohl es neu klingt einem trotzdem das Gefühl gibt, die Songs wären schon immer da gewesen. Natürlich bleibt abzuwarten, was jetzt in den nächsten paar Jahren mit der Band passiert. Blickt man aber noch mal auf die BBC-Listen der letzten Jahre, wo Franz FerdinandWhite Lies, oder Bloc Party auftauchen, dürfte ihnen eine rosige Zukunft bevorstehen. Das scheinen sie jedenfalls auch irgendwie zu hoffen, wie sie so schön in „All in White“ singen: „Oh but I will one day shine with you / I’ll shine on papal view.“ An dieser ganzen Geschichte ist eigentlich nur eine Sache ein bisschen schade, dass es das CBGB, den geschichtsträchtigsten Punk-Club New Yorks, nicht mehr gibt. Jetzt wo einmal eine Band auftaucht, die dort den Rock’n’roll stilecht und ohne große Allüren in eine neue Zeitrechnung  hätte übertragen können.