You've been Racing like a pro now // Marshall Curry im Interview über seinen Dokumentarfilm Racing Dreams

Ich weis ja nicht was ihr so gemacht habt als ihr dreizehn Jahre alt wart. Ich bin jedenfalls draußen auf Bäumen rumgeklettert, haben Unsinn veranstaltet und nicht darüber nachgedacht was morgen oder übermorgen passiert. Wir hatten jede Menge Flausen im Kopf und wenn wir uns ausgemalt haben, was wir denn irgendwann mal, wenn wir groß und erwachsen sind, werden könnten, haben wir davon geträumt Astronaut, Pferdeflüsterin oder Rennfahrer zu werden. In die Formel Eins hat es Niemand von uns geschaftt und auf dem Mond bin ich bis jetzt auch nicht gelandet. Annabeth, Josh und Brandon sind heute so alt wie wir es damals waren und sie fahren fast jedes Wochenende um den Titel in der „World Karting Association’s National Series“, der professionellsten Kinder- und Jugendliga, in der der amerikanische NASCAR Nachwuchs ran gezogen wird. Der Dokumentarfilmer Marshall Curry hat über dieses Aufwachsen zwischen Training, Reifengeruch und Erwachsenwerden einen Film gedreht. Ich habe mich mit Ihm über seinen Tribeca Film Festival-Gewinnerfilm „Racing Dreams“ unterhalten.

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Foto by Lizzy Geble

Marshall Curry hat mich im Interview unglaublich beeindruckt. Mit seinem ersten Dokumentarfilm „Street Fight” wurde er direkt für den Dokumentarfilm-Oscar nominiert und gewann verschiedene Filmfestival-Preise. Damit hatte er, wie er erzählt, selbst nicht gerechnet. Ich habe ihn deshalb gefragt, ob man immer den Mut haben sollte die eigenen Träume zu verwirklichen? Seine Antwort darauf zeigt, was diesen Ausnahmeregisseur antreibt und ausmacht: „Definitely it’s not to say that you become a huge success (...) I think I was pretty realistic about it. My expectation was I wanna go through the process of shooting and editing a movie. It doesn’t even matter so much at the end of the movie if it turns out well, but I hope that in this process I will discover, number one, whether I like it cause you know there are a lot of things you think you would like, but actually when you start doing them day to day you don’t (...) At the end of the process I wanted to find out whether I liked it or whether it was something I was good at, if I had a sense of it. But I was fully prepared to discover ‘yes, I really love it – the movie is not good, but I really love it and I’m gonna keep working at it until I get better’. I was also fully prepared to say ‘you know I did this thing, I didn’t really like it, now I’m gonna be an internet designer or a musician or teacher or a hundred other things’. But I’ll tell you I’m not gonna be 90 and say ‘too bad I didn’t try to make a movie’. That’s the thing that drives me most of all – the fear of being old at the end of the run looking back and saying too bad I didn’t try it.“  Vielleicht ist es also auch für uns doch noch nicht zu spät, Astronaut oder Pferdeflüsterin zu werden.

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Hier der Trailer zum Racing Dreams Film

Sein neuestes Filmprojekt, das 2011 auf dem Sundance Festival Premiere gefeiert hat heißt „If a Tree Falls“ und ist eine Dokumentation über die „Earth Liberation Front” (ELF), eine radikale Umweltgruppe, die sich der Rettung der Erde mit allen Mitteln verschrieben hat. „It tells the remarkable story of the rise and fall of this ELF cell. By focusing on the transformation and radicalization of one of its members, it asks hard questions about environmentalism, activism, and the way we define terrorism.“ Nach den vorher gegangen Filmen wieder keine leichte Kost, aber das hätten ich  von Marshall Curry auch nicht anders erwartet.

 

Interview gesendet am 28/3/2011 //auf Welle20 // der Montag Abend// Mit Caro und Mir