The Crazy Dream of being a musician // Nick Howard im Interview

Wer es schafft sich in New York als Singer und Songwriter über einen längeren Zeitraum über Wasser zu halten, kann schon nicht ganz talentfrei sein. Ich habe  mich mit Nick Howard in Hagen vor seinem Konzert darüber unterhalten, wie man es in der „city that doesn’t sleep“ schafft, erfolgreich zu sein und wie es sich anfühlt, wenn man auf einmal morgens als Teil des American Dreams aufwacht

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„If I can make it there I’ll make it anywhere“ singt Frank Sinatra im Song New York. Ob es wirklich so einfach ist in dieser Stadt, in der fast jeder Kellner auch gleichzeitig Singer/Songwriter oder zumindest Bandmitglied ist, erfolgreich zu werden, haben wir Nick Howard gefragt, der gerade in die Fußstapfen von Jack Johnson und Jason Mraz tritt. Was treibt einen an, wenn man aus dem musikalisch auch nicht unbewegten Brighton kommt, sein Glück in New York zu suchen? Am Anfang stand bei Howard erstmal der Wunsch „to try something bigger“. Neue Erfahrungen zu sammeln, aus dem Alltag auszubrechen und dem klassischen Kleine-Jungen-Traum zu folgen, „this crazy dream of being musician“. Die Wahl fiel hier auf New York, weil es keine andere Stadt gibt, die so viel von einem verlangt, und einen permanent an die eigenen Grenzen bringt und dann aber auch zurück gibt in den dunklen harten Zeiten. „If you work hard for it, it will give you something back“ beschreibt Howard deshalb dieses natürliche New Yorker Kreativitätsgleichgewicht. Dass er nicht der alleinige Eigentümer dieses Traumes ist, stört Ihn dabei nicht: „If you can get by in a place like New York, where there are thousands of singer/songwriters, than it really prepares you for the rest of everywhere else in the world. If you can do well in New York, or well at least compete in New York then you’re ready. It’s like a school for any crazy dream you have, it’s like a bootcamp“

 

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Was Nick Howard besonders auszeichnet ist eine ruhige Bescheidenheit, die man eigentlich nicht bei jemandem erwartet, der ohne Probleme mit ein paar Akkorden einen ganzen Saal Mädchen zum Kreischen bringt. Wenn er einem dann auf die Frage, wie wichtig der Konzert-Ort für Ihn ist „well, you can have a good time anywhere, you can have a good time playing in someone’s living room, it’s really got to do with the people, you know“ antwortet, glaubt man Ihm sofort, dass er auch auf dem eigenen WG-Sofa eine gute Figur machen würde, ohne in irgendeiner Weise deplaziert zu wirken. Dieses Gefühl bleibt dann auch das ganze Interview bestehen, dass einem dort jemand gegenüber sitzt, der noch an das Gute glaubt. An die eine große Liebe und daran, dass man seine Träume verwirklichen und sich treu bleiben sollte. In diesen Momenten wird dann auch sofort klar, warum die Macher von Jersey Shore und The Hills seine Songs besonders gerne zur Untermalung ihrer American Dream Reality Shows verwenden. Fragt man ihn dann, was er denn von dieser Lebensvorstellung, die in diesen Shows vermittelt wird hält, bekommt man eine differenzierte Antwort, die allerdings überhaupt nicht naiv wirkt, sondern durchblicken lässt, dass er durchaus zwischen Realität und Hollywoodscheinwelt unterscheiden kann, auch wenn er trotzdem an eine andere, härter erarbeitete Wahrheit dieses American Dreams glaubt: „If you wanna do something, you get one chance in life and you should do it, but in America they really embrace that culture. It’s like, cool, go for it, work really really hard and everyone will be supportive of you ... I don’t know if those shows reflect the American Dream because a lot of those shows show just shortcuts of life, getting on a TV Show becoming really famous, very quick fame, and that’s not realistic, that’s not how it is for most people. Well, the irony is that my music in those shows is great for me, but the hard work I did for it ... well, it’s kind of ironic.“

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Matthew Hanlon hat den Singer Songwriter in New York portraitiert. So handsome & charming wie er in dem Video wirkt, war er auch bei meinem Interview.

Diese Ironie, die immer wieder im Gespräch aufblitzt, macht dann auch sofort klar, dass Nick Howard nicht der klassischen Lagerfeuergitarrennaivling ist, sondern jemand der ganz genau weiß, wie die Musikbusinessrealität funktioniert und trotzdem oder gerade auch deshalb keine Allüren entwickelt, was eigentlich sehr bemerkenswert ist. Am Ende freut man sich deshalb insgeheim, wenn er auf die Frage, welcher Beatle er gerne gewesen wäre antwortet: „Paul ... well I wish I was cool enough to be John Lennon, but I’m not ... well Paul is different, but he’s my kind of cool“, denn Nick Howard muss nicht so cool wie John Lennon sein. Es reicht auf jeden Fall, wenn er so weiter macht wie bisher, mit gutem handfesten Pop, der hängen bleibt, weil er einfach besser ist als der Durchschnittsradiosound. Nick Howard schafft es, wenn er in Holzfällerhemd mit seiner Gitarre auf der Bühne sitzt, einem den Glauben an das Gute wiederzugeben, weil die Songs, die er spielt so unglaublich ehrlich sind. Und wenn er dann, „when the lights go up / I can be you / I can be me / I can be free“ singt, nimmt man Ihm sofort diese Zeilen ab, auch wenn das bei einem kreischenden Saal voller Mädchen nicht ganz so einfach ist. Nick Howard hat Charakter, Charme und macht guten Gitarrenpop, der direkt vom Kopf ins Herz geht, wenn wir es hier mal nicht mit einer aussterbenden Art zu tun haben, die dringend geschützt gehört, weiß ich es auch nicht.

Interview gesendet am 22/3/2010 //auf Welle20 // der Montag Abend// Mit Caro und mir