Last night on earth // Noah and The whale // BEST SONG "L.I.F.E.G.O.E.S.O.N"

33 Minuten. So kurz ist die letzte Nacht auf der Erde, wenn es nach Charlie Fink und seiner Band Noah and the Whale geht. 33 Minuten für perfekt ausgearbeitete Songs mit  Lebensohrwurmpotenzial. Die Band  entfernt sich mit ihrem dritten Album zwar weit vom balladenlastigen Vorgänger The First Days of Spring aber niemals von sich selbst.  Den folkigen Sound tauschen sie auf dem neuen Album Last Night on Earth gegen poppigere Songs, die aber trotzdem nichts von der Songwriting-Intelligenz der vorherigen Alben vermissen lassen. Besonders schön sind die sorgfältig ausgearbeiteten Storylines in den zehn neuen Stücken. Einer der schönsten und ruhigeren Tracks des Albums ist „Wild Thing“, das sofort die Assoziation zu Lou Reeds „Walk on the Wild Side“ weckt und das Kopfkino anspringen lässt, wo sich passend zum Song ein farbverwaschenes Roadtripvideo materialisiert. Als Kontrast folgt „Just Me Before We Met“ einer der stärksten Albumtracks, in dem dann auch zum ersten Mal wieder ein paar Streichinstrumente herausragen und in dem Fink über „the things I was proud of, the things I regret / some things I remember, some things I forget / that’s just me before we met“ singt. Herausragend ist auch, das leisere Töne anschlagende „The Line“, das aus ruhig gesungenen aneinander gereihten bitteren Beziehungsfragen besteht. „Is this the line between heaven and hell / is this the line where I get up and walk out? / is this the line where you get drunk and you yell?“ Antworten gibt es keine, aber dafür die angenehme Stimme von Charlie Fink, die trotz poppigerem Sound nie unter geht.

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Das schönste an diesem Album ist eigentlich dieser „Es ist nie zu spät um alles zu ändern“-Sound, der trotzdem in den Songs nie den Pathos der alten Alben vermissen lässt. Songs, die sich perfekt zum Balance halten auf dem Lebensdrahtseilakt eignen und auch den Absturz als Fortschritt und Veränderung mit einkalkulieren. Denn das ist das Wichtige auf Last Night on Earth: die andauernde Möglich– und Notwendigkeit der Veränderung. „Tonight’s the kind of night where everything could change / ohoooo tonight is like a comeback home“ singt Fink in „Tonight’s the Kind of Night”.

Eine der eingängigsten Weisheiten des Albums findet sich aber auch in der ersten Single-Auskopplung „L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.“ Ein Satz der gut in die verrauchten Morgenstunden einer  holzvertäfelten alten Bar passt, in der nur noch ein paar wenige gestrandete, allwissende Gestalten vor ihrem letzten Schluck Whisky sitzen und wortlos diese Wahrheit teilen. Egal was auch immer passiert: „L.I.F.E.G.O.E.S.O.N / You’ve got more than money and sense my friend / you’ve got heart and you go in your own way.“ Wenn wir in der letzten Nacht auf der Erde also an einer Bar sitzen und auf den prophezeiten Weltuntergang warten haben wir Dank Noah and the Whale jetzt jedenfalls den perfekten Soundtrack, mit Blick nach vorn. L.I.F.E.G.O.E.S.O.N