Der Indie geist ist wieder aus der Flasche entwichen // Little comets // In search of elusive little comets

An manchen grauen Tagen, an denen das 80er Revival on Air eine Radioparty feiert, wünscht man sich vielleicht wirklich die glorreichen goldenen Sommertage und -nächte zurück, in denen es noch  Musik mit Herz, Gitarre und Melodie gab  und „Indie“ noch eine andere Bedeutung hatte als der Ausverkaufsslogan bei H&M. Sommer, in denen man den ganzen Tag sehnsüchtig auf Festivals in der ersten Reihe auf seine Lieblingsband gewartet hat. Tage, an denen Sonnenbrand und Sommersprossen, die schönsten Accessoires waren und man sich verzweifelt aus der langweiligen Mathestunde nach London gewünscht hat, um diesen britischen Musikwahnsinn hautnah zu erleben. Eine Zeit in der Cheap Mondays noch aus Schweden hergeschmuggelt werden mussten und kein allwissendes Hipstergrinsen auf das Gesicht zauberten. [vimeo width="640" height="390"]http://vimeo.com/15283686[/vimeo]

Wer jetzt anfängt, in Nostalgie zu schwelgen, Hurts ausschaltet und automatisch an Bands wie Franz FerdinandPete and the PiratesKaiser Chiefs, oder die Wombats denkt und darauf wartet, dass die Karottenhosen und Schulterpolster wieder in der Mottenkiste verschwinden, kann beruhigt werden. Der Indie-Geist ist von ein paar netten Jungs aus Newcastle wieder aus der Flasche gelassen worden. Little Comets katapultieren uns nämlich mit Ihrem tanzbaren Debütalbum In Search of Elusive Little Comets wie Doc Brown Marty McFly zurück in die Zukunft. Wer gedacht hat, die Wombats hätten die Latte 2007 mit ihrem Album A Guide to Love, Loss and Desperation in Sachen Indie Dance Sounds unerreichbar hochgelegt, wird deshalb vermutlich bei diesem Debüt vor Freude in die Höhe springen. Little Comets haben den Charme der Wombats, erinnern im Sound an Hockey und glänzen mit der gleichen College-Attitüde wie Vampire Weekend. Eigentlich wollen die Jungs (ganz einfach) laut eigener Aussage „interestingly percussive songs with lots of bounce, melody and pathossy lyrics“ machen – das gelingt ihnen mit dieser explosiven Songmischung definitiv.

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Für das Video hat Aoife McArdle, jeweils 24 Stunden im Leben von Mädchen/Frauen gefilmt dir wirklich diesen Namen tragen.
Little Comets, und daran besteht wohl der größte Unterschied im Vergleich zu den Wombats, verlieren trotz Hüftschwung niemals die Tiefe in den Lyrics. Besonders im Video zur Single „Joanna“ wird deshalb das Paradoxon von tanzbaren Hits und intelligenten Texten deutlich. Englisches Vorstadtleben ist bei den Little Comets nicht immer Sonnenschein mit Happy End sondern graue Realität, in der es für Goldfische keine Aquarium zum Schwimmen gibt sondern ein Waschbecken. Und so wenig wie der Goldfisch im Video ins Waschbecken gehört, so wenig gehört eigentlich eine aufstrebende Band in die U–Bahn. Little Comets halten es mit den Location da etwas anders. Sie sind bekannt dafür an Orten, an denen man sie nicht erwartet, Gigs zu spielen und die Tristesse durcheinander zu bringen, wie es auch für Ihre Videos charakteristisch ist. Das interessanteste dieser Spaßkonzerte ist laut Bandaussage, bisher ein unerwünschter Auftritt in einer Universität gewesen: „ Two of us scour the university for security guards and after we work out our plan we enter the lectures and start playing. [In Salford] the lecturer had gone for a cup of tea and he had left the students watching a film. We stormed in, stopped the film and started playing. The students went mad."