I was a dreamer starring at windows, Out onto the main street cause that’s where the dream goes. // Villagers // Becoming a jackal

Das Wissen über irische Musik beschränkt sich weitesgehend auf U2, die ja schon lange etwas – nennen wir es – abgehoben sind und sich nicht mehr ganz auf diesem Musikplaneten befinden, und auf irische Pub Musik, wilde Geigen und Folksongs, die im Hintergrund bei einem Guinness gespielt werden. Seit der Veröffentlichung des neuen Albums von Connor J. O’Brien, sollte man allerdings nochmal einen genaueren Blick auf das werfen, was dort in der dunklen Zeit des Jahres auf der grünen Insel produziert wird und passiert. Mit Becoming a Jackal von den Villagers liegt hier nämlich ein Debüt vor, das perfekt arrangierte Songs und nachdenkliche Lyrics liefert. Das ganze Album ist geprägt von einer starken Intimität, wie am Text des Title Tracks deutlich wird: “You would offer me your unmade bed, feed me till I’m fed, read me till I’m read.” Die Intimität, die sich durch das ganze Album zieht, wird gleichzeitig, wenn sie sich gerade unglaublich sicher anfühlt, durch einen Freiheitsdrang aufgebrochen, der immer wieder als Bild in den Songs auftaucht. Irgendwie ist dieses Album deshalb auch ein bisschen zu einem Album über das Erwachsenwerden geworden, über das Loslassen können, aber auch über das Weggehen ohne zurück zu blicken und Rücksicht zu nehmen. Wie O’ Brien in “Set the Tigers Free” über das Verlassen müssen und seinen eigenen Weg finden singt: “I see you’ve written promises to make me stay / But it really doesn’t matter now anyway / I’m leaving."

Den starken Kontrast zu diesem durchdringenden Freiheitsdrang bietet dann “Home,” in dem es darum geht, nach Hause zu fahren und der Schwierigkeit wieder Kind zu werden auf diesem Weg: “Can you wake me when were almost halfway cause I don’t want to take this trip alone.” Diese Ambivalenz zwischen der Sehnsucht nach Geborgenheit und Nähe und diesem durchdringenden, teilweise rücksichtslosen Freiheitsdrang, der vielleicht wirklich vergleichbar ist mit dem eines Schakals, prägen dieses Album und machen es zu etwas sehr Besonderem.

[youtube width="640" height="390"]http://www.youtube.com/watch?v=C113zAfQCWE[/youtube]

Der schönste Ohrwurm des Albums "I was a dreamer starring at windows", hach die beste Sommerabend Gitarren Musik die man sich wünschen kann

Der Sound des Albums, erinnert uns ein bisschen an grüne Hügel und auch ein bisschen an Geister und Fabelwesen, wie sie in der irischen Mythologie immer wieder auftauchen und an dunklen Herbsttagen wahrscheinlich irgendwo im Garten herumspuken. Die Instrumente wurden bis auf die Bläser von O’Brien alle selbst eingespielt und besitzen deshalb vielleicht auch diese besondere Intensität, weil sie bis auf den kleinsten Ton stimmig sind und zu wunderschönen, intensiven Melodien werden, die noch lange nach dem Hören im Ohr bleiben.  Das ist auch das besonders Schöne an diesem Album. Beim mehrmaligen Hören gibt es immer wieder neue Dinge zu entdecken: Textzeilen, die sich neu oder anders erschließen, und uns zum nachdenken bringen.

Trotzdem sind Songs wie “Home” und “That Day” auch gleichzeitig von einer Leichtigkeit geprägt, die wiederum im starken Kontrast zu den Lyrics steht. Ein bisschen haben wir deshalb das Gefühl, das O’Brien uns in die Irre und aufs Glatteis führen möchte. Vielleicht um uns die Zweiseitigkeit der Dinge nahe zu bringen oder nicht vergessen zu lassen. Becoming a Jackal ist so oder so ein sehr gelungenes Debüt, das ihr wahrscheinlich eher nicht an kalten, regnerischen Wintersonntagen hören sollte, da sonst die Gefahr besteht, dass ihr das Album auf Endlosschleife spielen lasst, euch ans Fenster setzt und anfangt wie ein Schakal zu heulen und wartet bis der Sommer kommt: “I was a dreamer starring at windows / Out onto the main street cause that’s where the dream goes.”