Go to a place where the people make a crowd, find your pace and do what's not allowed // Mystery Jets // Serotonin

Es gibt diese Tage, an denen das Marmeladenbrot auf die falsche Seite fällt, der Hamster stirbt, es regnet und überhaupt auf einmal alles grau aussieht. An solchen Tagen wäre es schön, wenn wir Glück wie eine Campbell’s Suppendose von Warhol aus dem Regal ziehen könnten, so dass der Tag ein bisschen besser wird. Solange das allerdings noch nicht möglich ist, müssen wir uns mit dem neuen Album der Mystery Jets zufrieden geben, das eine ähnliche Wirkung wie eine Suppendose voller Glück aus Mr. Warhol’s Supermarktregal verspricht. Passenderweise haben die Mystery Jets ihrem Album den Namen Serotonin gegeben, auch bekannt als Glückshormon, das uns vollkommen blauäugig und glücklich durch die Gegend taumeln lässt. Nach Twenty One haben die Mystery Jets jetzt ein Album zusammengebastelt, das vom ersten bis zum letzten Lied den Himmel ein bisschen blauer erscheinen lässt und uns zum Tanzen bewegt. Zwischen 70er Discofox-Klängen („Flash a Hungry Smile“), 80er Jahre-Orgel-Pop („Alice Springs“) und zeitlosen Popmelodien schwingt trotzdem auch immer ein bisschen Ernsthaftigkeit mit, die unterschwellig spüren lässt, dass die Mystery Jets das Album nicht einfach so aus dem Ärmel geschüttelt haben. Die Band hat die neuen Songs nämlich ausgiebig vor der Veröffentlichung live in Berlin gespielt und getestet, getarnt als The Crystal Wolf Hunters. Chris Thomas der auch schon die Beatles, Pulp, oder die Sex Pistols im Studio hatte, hat dieses Album zusammen mit den Jungs produziert. Ein bisschen scheint es deshalb, als wäre aus jedem dieser englischen Musikjahrzehnte eine kleine Hommage im neuen Albums enthalten.

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Schauen wir uns jetzt das Video zur ersten Single „Dreaming of Another World"  an, wissen wir genau, wann wir dieses Album eigentlich hören sollten. Bei einem 60er-Jahre-esquen Ausflug auf ein schönes Landgut, mit Burberry Stiefeln im Gepäck, Pferdejagd, Poolparty und Cocktailabenden. Ein Album, das euch jede Menge Flausen in den Kopf setzt und euch auf so dumme Ideen bringt, wie z.B. sofort ein altes weißes Mustang Cabrio kaufen zu müssen, um den langweiligen Alltag hinter euch zu lassen und ans Meer oder auf's Land zu fahren und Spaß zu haben, oder um es mit den Songzeilen aus „Dreaming of Another World” zu sagen „Go to a place where the people make a crowd, find your peace and do what's not allowed”. Jugendlicher Übermut, guter Alkohol, 60er-Jahre-Sound. Entstaubt Papas Mustang in der Garage, zieht euch die Burberry Stiefel an oder sattelt euer Jagdpferd. Pfeift die Hunde zusammen, mixt einen Martini, haltet euch Toast an den Kopf, legt Platten auf, surft eine Runde und macht was ihr wollt. Es gibt nur EIN Leben und dafür brauchen wir vielleicht gar kein Glück aus der Dose sondern einfach nur einen Sound, der alles irgendwie gut werden lässt, auch wenn der Hamster nicht wieder von den Toten aufersteht.