but I don't want to follow you into the rabbit hole // The National // High Violet

Ruhig war es um The National geworden, seit sich die Band 2007 mit einem der besten Alben des Jahres in sämtliche (gebrochenen) Herzen gespielt hat. Aber gut Ding will ja bekanntlich Weile  haben - und so verhält es sich auch mit der neuen Platte High Violet. Die Zeit, die sich Matt Berninger und die beiden Brüderpaare Aaron & Bryce Dessner, sowie Scott & Bryan Devendorf aus Brooklyn genommen haben, ist deutlich auf dem Album zu spüren. [youtube width="620" height="370"]http://www.youtube.com/watch?v=2XnRl-m5QPI[/youtube]

The National sind reifer geworden und kehren zu einem wesentlich gitarrenlastigeren Sound als auf Boxer zurück. Aber auch dieses Mal erwischen uns die Texte genau an dem Punkt, an dem wir am Verletzlichsten sind. Sie gehen direkt ins Herz, gleichzeitig schön und schmerzhaft, mit Songzeilen wie „It takes an ocean not to break“ oder „I never thought about love when I thought about home“. Das sind nur wenige der vielen besonderen Zeilen, die man nach dem Hören des Albums nie wieder vergisst, weil sie die bittersüße Lebensrealität einfach viel zu gut festhalten.

Es ist ein bisschen so wie bei Alice im Wunderland: The National nehmen uns mit in eine Parallelwelt, in der die Dinge eine andere Bedeutung haben, eine andere Tiefe und einen anderen Glanz. Und auch wenn Berninger in „Terrible Love“ „but I don’t want to follow you into the rabbit hole“ singt, würden wir ihm und seiner Band trotzdem folgen und uns nicht wundern, wenn uns ein weißes Kaninchen mit Hut und Uhr den Weg weist. The National sind inzwischen zwar kein Geheimtipp mehr, aber sie liefern uns mit diesem Album den passenden Soundtrack, um mit den besten Freunden bei einem guten Rotwein im goldenen Abendlicht zu sitzen, während am Horizont ein violett schwarzes Sommergewitter aufzieht.