Eine amerikanische College Erfahrung // American Football "GO TROJANS! GO TROJANS!"

Langsam geht meine Zeit hier in Amerika ihrem Ende zu und ich versuche noch all die unerledigten Dinge auf meiner "Real American Experiences" To-Do Liste abzuhaken. Ganz oben auf der Liste stand noch der Besuch eines College Football Games, weil  meine amerikanischen Freunde  permanent von der Atmosphäre geschwärmt haben. Letztes Wochende hatte ich dann Glück und habe eine Einladung zum Football  von einem Freund in LA bekommen. Ohne großartige Spielkenntnisse habe ich mich  auf den Weg gemacht um die University South California Trojans gegen die Washington Huskeys spielen zu sehen. Ich habe immer gedacht das eine Fussball Atmosphäre, wie auf Schalke kaum zu toppen ist... die Trojan Fans haben mich dann aber eines Besseren belehrt.

Football ist, was das Fan-Dasein angeht, noch einmal ein völlig anderes Kaliber als Fußball in Deutschland. An der California State University war das ganze Stadion  in rot gold getaucht und hat ein bisschen an ein Quidditch Spiele in den Harry Potter Filmen erinnert.  Alle Studenten hatten die Farben ihres Teams an. Vor dem Spiel hat eine 150 Personen Marching Band gespielt, die amerikanische Nationalhymne wurde von allen gesungen und zu guter letzt, ist tatsächlich ein "echter Trojaner" auf einem schneeweißen Pferd über das gesamte Footballfeld galoppiert. (Ich bin dafür, dass wir an der Zeppelin Universität jetzt auch ein paar echte Zebras anschaffen...) Bei jedem Touchdown der Trojans haben sich die Fans gegenseitig in die Luft geworfen um ihr Team zu feiern und wenn mal gerade nichts passiert ist, waren alle Augen auf die Cheerleader gerichtet, die aussahen, als wären sie direkt einem klassischen amerikanischen College Film entsprungen.

Dieses Football Spiel zu sehen, war wirklich ein sehr außergewöhnliches Erlebnis. Vor allem, weil man trotz all dieses"Spirits" merkt, welche riesen- Marketing Maschinerie sich  hinter jedem College verbirgt. Die Sportteams (vor allem Football) spielen hier teilweise eine große Rolle, wenn es um die Entscheidung geht, welche Universität man besuchen möchte. James Twitchell, ein amerikanischer Marketingprofessor, der an der Universität Florida lehrt, hat dieses "College Branding Phänomen" untersucht und darüber ein Buch geschrieben.

Marketing an amerikanischen  Universitäten hat einen ungleich größeren  Stellenwert als in Deutschland. Wer sich für diese spezielle Form des Brandings  interessiert sollte auf jeden Fall "Branded Nation" lesen. Twitchell beschreibt in seinem Buch  "the experience of higher education -the accessories, the amenities, the aura-has been commercialized, outsourced, franchised, branded. The professional manager has replaced the professors as the central figure in delivering the goods." In  Amerika  eine Universität oder ein College für die eigene akademische Ausbildung auszusuchen hat aus Twitchell's Sicht eine große Ähnlichkeit mit einem Besuch im Supermarkt. Selten zählt nur das Produkt (gute Bildung) und dessen Wertigkeit, sondern in erster Linie das Image/ Corporate Identity und die Reputation, die die jeweilige Marke (z.B. Harvard, Standford, Berkley) über lange Zeit erworben hat.