Where soldiers come from // Ein Film über die folgenschwere Entscheidung in die Army einzutreten

Amerika  befindet sich, genau wie Deutschland, im Krieg. Das vergisst man im Alltag schnell, weil dieser Krieg  unglaublich weit weg zu sein scheint. Nicht nur geographisch sondern auch, weil jeden Tag so viele Dinge passieren. Erst wenn man, wie gestern zum vierten Juli einen Facebook Post  entdeckt, der den Soldaten dankt, denkt man wieder daran."Happy 4th July, GOD BLESS AMERICA...Thankful for the ones who are serving and for the ones who served." Manchmal wird man auch daran erinnert, wenn man von jemandem am Union Square um einen Dollar angeschnorrt wird und dabei in verwirrte Augen blickt.

Um besser zu verstehen, was es bedeutet in der "ARMY" (die hier einen ganz anderen Stellenwert hat) zu sein, habe ich mir den Rooftop Film "Where Soldiers Come From" angeschaut. Dieser Dokumentarfilm von Heather Courtney, verfolgt drei Jugendfreunde, die nach der Schule nicht wissen, was sie mit ihrem Leben machen wollen. Vom Eintritt in die ARMY im tiefsten Michigan bis in den Krieg nach Afghanistan. Vor diesem Film hat sich mein Bild über die ARMY eher auf Filme wie "Good Morning Vietnam",  "Forrest Gump" oder auf die theoretische Diskussion über den gesellschaftlichen Umgang mit posttraumatischen Belastungsstörungen beschränkt. Heather Courtneys Dokumentation eröffnet einen neuen, anderen Blickwinkel, der nicht nur die Perspektive der  Soldaten, sondern auch die, der vom Krieg betroffenen Familien und Freunde zeigt. "Where Soliders Come From" ist  kein klassischer Anti Kriegsfilm, der die Dinge schwarz - weiß malt. Es ist viel mehr ein ehrlicher Film, der diejenigen, die in diesen Krieg ziehen, nicht verurteil, sondern einen verständnisvolleren Umgang der Gesellschaft mit diesen Veteranen fordert.

Vor diesen Film  habe ich nie verstanden (und vielleicht auch nicht verstehen wollen), was der Anreiz sein könnte, um in die ARMY  oder auch die Bundeswehr einzutreten. All die Geschichten über  gute Kammeradschaft, Freundschaften fürs Leben und die Suche nach Abenteuer konnte ich beim besten Willen nie nachvollziehen.  Nach dem  Film  verstehe ich eine solche folgenschwere  Entscheidung ein wenig besser. Vielleicht mag der Eintritt in die ARMY  plötzlich als ziemlich plausibel erscheinen,  wenn die ganze Familie gedient hat, wenn man bei Minus 20 Grad in einem eingeschneiten Dorf im amerikanischen Nirgendwo fest sitzt und sich alle Kindergartenfreunde verpflichten, oder wenn man einfach nicht weiß, was man sonst machen soll.

Nachdem ich "Where Soldiers Come From" gesehen habe, werde ich nicht mehr  so vorschnell über eine solche Entscheidung urteilen, auch wenn das nicht bedeutet, dass ich diesen Krieg für sinnvoll oder gerechtfertigt halte. Es gibt im Film eine Szene, in der einer  der drei Freunde, während einer Patroullienfahrt einen Satz sagt, der die Unmöglichkeit der Beurteilung einer solchen Situation aus der Ferne deutlich macht und vielleicht auch erklärt, warum man manchmal  froh ist, mit diesem Thema nicht tagtäglich konfrontiert zu werden: "It is just way too complicated"

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